MitSpielplatz: Wenn Spielen Brücken baut

Hondrich – Ein Mittwochnachmittag wie aus dem Bilderbuch: Die Sonne scheint über den Niesen und das Stockhorn, Wimpelfahnen flattern im Wind. An diesem Nachmittag wird die Umgebung der Kollektivunterkunft Hondrich zum Treffpunkt, an dem Kinder klettern, springen, lachen und gemeinsam mit ihren Familien einen unbeschwerten Spielnachmittag verbringen.

 

Text: Jacqueline Zimmermann Ruch, Chindernetz Kanton Bern

 

 

 


Zuerst ist die Unsicherheit spürbar: Werden auch Kinder und Familien aus Spiez und Hondrich kommen? Die Kinder aus der Unterkunft warten schon sehnsüchtig, als das Auto mit dem mobilen Klettergerüst, dem Livingdome, vorfährt. Gemeinsam wird ausgeladen, aufgebaut, dekoriert. Alles ist bereit – nur die Gäste fehlen. Für einen Moment liegt Spannung in der Luft.

 

Und dann endlich, das helle Klingeln von Veloglocken, fröhliche Stimmen: zögernd, fast scheu, kommen die ersten Kinder. Sobald sie vertraute Gesichter aus der Schule sehen, springen sie und helfen mit beim Hämmern und Aufbau des Livingdomes, einem mobilen Klettergerüst aus Holz und Leder. Neben dem Bauen und Klettern verstecken sich einige im nahegelegenen Maisfeld oder stöbern in den bereitgestellten Bilderbüchern. Auf dem Fussballplatz bewegt sich ein Sprungtuch rhythmisch im Takt: «Eins, zwei, drei!», rufen Kinder und Erwachsene gemeinsam, bevor sie alle unter dem fallenden Tuch verschwinden, das sich wie ein Zelt über sie legt.

 

Begegnung auf Augenhöhe

Die Frage, was Menschen in einer vielfältigen Gesellschaft verbindet, beschäftigt uns seit vielen Jahren. Wie können wir bestehende Gräben zwischen Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten, ob mit oder ohne Migrationsgeschichte, überwinden und miteinander in Austausch treten? An diesem Nachmittag zeigt sich eine Möglichkeit: durch gemeinsames Erleben.

 

Spielen als Menschenrecht

Spielen ist ein Kinderrecht, welches im Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention festgehalten ist. Und doch bleibt es für viele Kinder in Kollektivunterkünften ein seltenes Gut. Geografische Isolation, häufige Umzüge und fehlende Angebote verhindern oft soziale Teilhabe.  In einer Fluchtsituation erleben Kinder tiefschürfende traumatisierende Erlebnisse. Auf einem von Angst und Not geprägtem Fluchtweg hat es kaum Platz für das spielerische Wesen eines Kindes. Spielen hilft Kindern, ihre Kreativität zu entfalten, soziale Bindungen aufzubauen und Stress abzubauen.

 

Ein Wir-Gefühl wächst

Nach dem Spielen durften sich alle bei einem feinen Zvieri stärken, den die Leiterin der Kollektivunterkunft vorbereitet hatte. Auch das gemeinsame Essen wurde zu einem Moment des Ankommens, bei dem man ins Gespräch kam und die Gemeinschaft noch einmal spürbarer wurde.

 

 

Projekt MitSpielplatz - Spielen für ALLE

Das Projekt «MitSpielplatz – Spielen für ALLE» des Vereins Chindernetz Kanton Bern bringt Spiel, Begegnung und Gemeinschaft zu Kindern in Kollektivunterkünften und in die Gemeinden. Mit mobilen MitSpielplätzen und dem gemeinsam aufgebauten Livingdome entstehen offene Spielräume, in denen Kinder und Familien zusammenkommen.

 

So werden soziale Netzwerke gestärkt, Kulturen verbunden und Vorurteile abgebaut. Kinder erleben Selbstwirksamkeit, Familien finden Entlastung, und Freiwillige werden befähigt, das Angebot nachhaltig weiterzuführen. Über mehrere Phasen, vom Schnuppern bis zur Übergabe an lokale Akteur*innen, wächst der MitSpielplatz – Spielen für ALLE zu einem festen Bestandteil des Gemeindelebens und schafft Chancengerechtigkeit, Gesundheit und Teilhabe für alle Kinder.

 

Weitere Informationen: www.chindernetz.be